Engpassmanagement

Der europäische Strombinnenmarkt ist in den vergangenen Jahren enger zusammengewachsen: Strom wird seit Ende der 1990er Jahre in zunehmendem Maße grenzüberschreitend gehandelt. Allerdings sind die Übertragungskapazitäten an den Grenzkuppelstellen zu den europäischen Nachbarn historisch bedingt begrenzt. Vielerorts überschreiten deshalb die nachgefragten Übertragungskapazitäten die Übertragungsmöglichkeiten – es kommt zu Engpässen.

Mit den Methoden des Engpassmanagements soll dem vorgebeugt werden. Wichtigstes Instrument sind Auktionen, die heute in den meisten europäischen Ländern eingesetzt werden: Die Übertragungskapazitäten im grenzüberschreitenden Verkehr werden versteigert. Prämisse ist, dass für alle Unternehmen die gleichen Kriterien und Voraussetzungen gelten.

Allgemeines

Gemäß § 15 der Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV) vom 25.7.2005 und entsprechend der EG-Verordnung 1228/2003 über den grenzüberschreitenden Stromhandel sind Betreiber von Übertragungsnetzen verpflichtet, im Falle von Netzengpässen die verfügbaren Leitungskapazitäten nach marktorientierten und transparenten Verfahren diskriminierungsfrei zu bewirtschaften, sofern die Entstehung solcher Engpässe nicht im Rahmen des wirtschaftlich Zumutbaren mit Hilfe von netz- und marktbezogenen Maßnahmen verhindert werden kann.

Zur Allokation der begrenzt verfügbaren Übertragungskapazitäten zwischen den Netzgebieten der europäischen Übertragungsnetzbetreiber finden koordinierte explizite Auktionen statt. Für die Durchführung ist das Joint Allocation Office (JAO) zuständig, eine Plattform zur Vergabe grenzüberschreitender Stromübertragungskapazitäten an derzeit 27 Grenzen in Europa. Zum 01.09.2015 ist JAO aus der Fusion der beiden regionalen Auktionsbüros „CAO Central Allocation Office GmbH“ und „CASC.EU S.A.“ hervorgegangen. JAO ist eine Servicegesellschaft von aktuell 20 Übertragungsnetzbetreibern aus 17 Ländern. Informationen hierzu finden Sie unter:

www.jao.eu

Die dem Markt auf diese Weise von der 50Hertz zur Verfügung gestellten Kapazitäten zur Übertragung elektrischer Energie werden auf Basis der Net Transfer Capacities (NTC) - Methode (Download als pdf, 227 KB) ermittelt.

Entwicklung eines lastflussbasierten Marktkopplungsverfahren für die Region CEE

Zur Erreichung des Ziels der Europäischen Kommission, einen europaweiten Strombinnenmarkt zu schaffen, hat die Europäische Kommission die europaweite Einführung des integrierten Single Price Couplings (SPC) für den täglichen Stromhandel (day ahead) vorgegeben.
Zur Umsetzung dieser Vorgabe arbeiten die acht Übertragungsnetzbetreiber und die sieben Börsen / Marktoperatoren der Region CEE an Design und Implementierung eines Flow Based Market Coupling Verfahrens. 
 

Enge Kooperation mit den europäischen Nachbarn

Die Koordination der verfügbaren Netzkapazitäten über das KONTEK-Gleichstromkabel zwischen Energinet.dk (Seeland/Dänemark) und 50Hertz erfolgt in enger Kooperation mit dem dänischen Übertragungsnetzbetreiber Energinet.dk:

Im Rahmen der ERGEG-Regionalinitiative Nordeuropa wurde zum 9. November 2009 eine Marktkopplung des skandinavischen und des deutschen Strommarktes mittels impliziter Auktionen über die Kuppelleitungen zwischen Energinet.dk (Jütland/Dänemark) und der TenneT TSO GmbH sowie das KONTEK-Gleichstromkabel zwischen Energinet.dk (Seeland/Dänemark) und 50Hertz eingeführt. Mit der Durchführung dieser impliziten Auktionen an der deutsch-dänischen Grenze wurde die European Market Coupling Company GmbH (EMCC) beauftragt.

Pressemitteilung zum Market Coupling Deutschland-Dänemark (28.04.2008), Download als pdf (106 KB)

Im November 2010 wurde - zeitgleich mit Einführung der Marktkopplung in Zentralwesteuropa (CWE) - die als Interim Tight Volume Coupling bezeichnete Marktkopplung zwischen Nordeuropa (NE) und Zentralwesteuropa (CWE) von der EMCC und den 16 Übertragungsnetzbetreibern und Strombörsen dieser Regionen eingeführt.

Zur Erreichung des Ziels der Europäischen Kommission, einen europaweiten Strombinnenmarkt zu schaffen, hat die Europäische Kommission die europaweite Einführung des integrierten Single Price Couplings (SPC) für den täglichen Stromhandel (day ahead) vorgegeben.
In einem ersten Schritt wurde das SPC am 4. Februar 2014 in den Regionen Nordwesteuropa (NWE; Zusammenschluss der Regionen NE, CWE und GB) und Südwesteuropa (SWE) eingeführt und damit das von der EMCC durchgeführte ITVC ersetzt. In nachfolgenden Schritten wird das SPC auf weitere Regionen erweitert.

Pressemitteilung zum NWE-Price Coupling (04.02.2014), Download als pdf  (167 KB)

Die verfügbare Übertragungskapazität des KONTEK-Gleichstromkabels wird derzeit durch die Nord Pool AS in das SPC eingebracht.

 

Report zur Pilotphase des virtuellen Phasenschiebers

Der polnische Übertragungsnetzbetreiber PSE und 50Hertz starteten am 18.03.2014 die operationale Phase des virtuellen Phasenschiebers (vPST). Dieser soll bis zur Inbetriebnahme von physischen Phasenschiebertransformatoren an der deutsch-polnischen Grenze ungeplante Lastflüsse kontrollieren, die Systemsicherheit gewährleisten und grenzüberschreitenden Stromhandel fördern. Die Partner testeten die Funktionsweise des vPST in der Pilotphase vom 08.01.-30.04.2013 und zogen daraus Schlussfolgerungen für die jetzige operationale Phase. Der von PSE und 50Hertz gemeinsam erstellte Report präsentiert die Prinzipien, Einsätze und wichtigsten Ergebnisse der Pilotphase des vPST.

Kontakt

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