Freileitung versus Kabel

Freileitungen oder Kabel? In dieser kontrovers geführten Debatte werden häufig die vermeintlichen Vorteile der Verlegung von Erdkabeln anstelle von Freileitungen ins Feld geführt. Positive ökologische Nebeneffekte sind bei der Verlegung von 380-kV-Erdkabeln allerdings nicht zu erwarten. Ganz im Gegenteil: Diese Variante bringt für Grundstückseigentümer Einschränkungen wie auch irreversible ökologische Beeinträchtigungen mit sich.

Freileitungen machen einen Großteil des Verbundnetzes aus. Sie ermöglichen eine verlustarme Übertragung mit 380-kV-Höchstspannung und sind damit Garant für eine zuverlässige Energieversorgung. Demgegenüber werden Kabel heute überwiegend im Mittel- und Niederspannungsnetz sowie in dicht bebauten Gebieten mit hohem Strombedarf für die Energieverteilung eingesetzt. Aber auch in ländlichen Regionen gewinnt diese Technik zunehmend an Bedeutung. Dies bringt in vielen Fällen jedoch ökologische und rechtliche Nachteile mit sich, die in der öffentlichen Debatte häufig vernachlässigt werden.

Folgen einer Erdverkabelung: Der ökologische Blickwinkel

Bei der Verlegung eines Erdkabels muss der Boden ausgetauscht werden. Anschließend müssen die Kabeltrassen nicht nur von tief wurzelnden Pflanzen freigehalten werden. Sie dürfen auch anderweitig nicht bebaut werden. Darüber hinaus strahlen Erdkabel Wärme ab. Das nimmt Einfluss auf die Bodenfeuchtigkeit, was zum Beispiel zu einer Drainage oder Austrocknung von Mooren führen kann. Hinzu kommt, dass bei der Verlegung von Erdkabeln der Bau von Muffenbauwerken in Abständen von 500 bis 700 Metern sowie von Kompensationseinrichtungen entlang der Kabelstrecke nötig ist. So werden vorhandene Biotope bleibend zerschnitten. Da es noch keine Langzeit-Erfahrungen mit erdverlegten 380-kV-Kabeln gibt, ist zudem unklar, wie sich der Zersetzungsprozess der Kunststoff-Kabelummantelung auf das Erdreich auswirkt.

Freileitungen und Kabel im Vergleich Freileitungen und Kabel im Vergleich

Rechtliche Aspekte

Eine Höchstspannungsleitung ist ein raumgreifendes Bauwerk - egal ob sie als Freileitung gebaut oder als Erdkabel verlegt wird. Die Verlegung eines Erdkabels berührt ebenso wie die Errichtung einer Freileitung die Rechte der Eigentümer und Besitzer, auf deren Grundstücken die Leitung errichtet und genutzt werden sollen.

Grundsätzlich werden Dienstbarkeiten, das heißt Nutzungsrechte, in das Grundbuch eingetragen. Die Eigentümer erhalten eine entsprechende Entschädigung. Dadurch wird gewährleistet, dass der Netzbetreiber die Leitung errichten kann und anschließend Zugang zu der Leitung hat, um notwendige Wartungen oder Reparaturen durchzuführen. Bei einer Erdverkabelung ist ein steter und direkter Zugriff für Wartung und Reparatur nur dann sichergestellt, wenn die Fläche oberhalb des Kabels frei ist. Eine landwirtschaftliche Nutzung der Erdkabeltrasse ist daher nicht oder nur eingeschränkt möglich. Zudem darf die Trasse nicht bebaut werden. Demzufolge ist eine Erdverkablung für Grundstückseigentümer mit mehr Einschränkungen verbunden als eine Freileitung.

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