Status Südwest-Kuppelleitung

Bedarf und gesetzlicher Hintergrund

Die Integration der Erneuerbaren Energien ist gerade im Osten Deutschlands inzwischen besonders gut vorangekommen. Prognosen gehen von einer Verdopplung der installierten Leistung durch Wind, Solar, Biomasse und Wasserkraft bis 2024, spätestens aber bis 2030 aus. Erzeugung und Verbrauch treten dabei räumlich weiter auseinander als dies noch mit den bestehenden Kohle- und Kernkraftwerken der Fall ist. Die Südwest-Kuppelleitung trägt durch den überregionalen Transport dieser Erneuerbaren Energien damit auch maßgeblich zum Klimaschutz bei.

Zugleich ist die Südwest-Kuppelleitung ein wichtiger Lückenschluss zwischen den Netzen der alten und neuen Bundesländer. Sie ist außerdem seit den Planungen für transeuropäische Netze von 2006 Bestandteil des Europäischen Vorrangprojektes Halle-Schweinfurt. Mit dem Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) von 2009 gehört die Südwest-Kuppelleitung auch zu den 24 nationalen Vorrangprojekten beim Ausbau des Höchstspannungsnetzes.

Der 3. Abschnitt der Südwest-Kuppelleitung vom Umspannwerk Altenfeld bis zur bayerischen Landesgrenze sorgt ebenso für eine bessere Einbindung des Pumpspeicherwerkes Goldisthal in das deutsche und internationale Stromnetz. Ein zusätzliches Umspannwerk bei Schalkau gewährleistet die Stärkung der Stromversorgung und mehr Systemsicherheit in Südthüringen. Es bindet das vorhandene 110kV-Leitungssystem des regionalen Verteilnetzbetreibers ein und sichert damit die Versorgung von Haushalten und Gewerbe in der Region ab. Umspannwerk und Höchstspannungsleitung verbessern weiterhin die Integration der Erneuerbaren Energien in Thüringen. So bestätigt das Deutsche BiomasseForschungsZentrum (DBFZ), dass Thüringen mit seinen heute 13 Biomassekraftwerken schon jetzt zu den Vorreitern in Deutschland zählt.

Truckenthal-Brücke Blick von der Erdstoffdeponie am Ende der Truckenthal-Brücke auf den Bleßberg. Die Freileitung soll östlich am Bleßberg vorbeigeführt werden und passiert dann westlich die Erdstoffdeponie.

Trassenverlauf

In drei Abschnitten wird die Südwest-Kuppelleitung errichtet. Abschnitt 1 beginnt in Sachsen-Anhalt bei Halle und endet am Umspannwerk Vieselbach bei Erfurt. Zwischen Vieselbach und Altenfeld verläuft der 2. Abschnitt. Von dort verläuft der 3. Abschnitt durch den Thüringer Wald bis zur Landesgrenze nach Bayern.

Der seit Dezember 2008 in Betrieb befindliche 1. Abschnitt Lauchstädt – Vieselbach folgt im Wesentlichen einer bestehenden 220-kV-Leitung und der ICE-Strecke. Er ist 78 Kilometer lang. Die Trasse führt aus dem Raum Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt nach Thüringen in die Nähe von Erfurt.

Die obere Landesplanungsbehörde bestätigte die Trasse des 57 km langen 2. Abschnitts Vieselbach – Altenfeld mit der „Landesplanerischen Beurteilung“ vom März 2007. Sie folgt von Vieselbach entsprechend dem „Bündelungsprinzip“ den Infrastrukturlinien der 380-kV-Leitung Mecklar – Vieselbach, der Bundesautobahn A71 und der ICE-Strecke bis nach Altenfeld. Ab Traßdorf wird die neue 380-kV-Leitung auf ihren Masten die 110-kV-Leitung Stadtilm – Altenfeld mitführen. Sie kommt dort auf eigener Trasse aus östlicher Richtung vom Umspannwerk Stadtilm.

Die Freileitungstrasse verläuft von Vieselbach westlich bzw. nördlich parallel zu der vorhandenen Freileitung Vieselbach - Eisenach/Mecklar bis zur Bundesautobahn A71. Dann nimmt sie eine südliche Richtung, gebündelt mit der Bundesautobahn A71 und der ICE-Strecke Nürnberg - Erfurt bis Altenfeld.

Für den 3. Abschnitt Altenfeld – Thüringer Landesgrenze legte 50Hertz im ersten Halbjahr 2013 eine detaillierte Trassenplanung vor. Fest steht der Trassenkorridor aus dem Raumordnungsverfahren, das mit einer „Landesplanerischen Beurteilung“ abgeschlossen wurde. Darin wurde ein Trassenkorridor bestätigt, der sich weiter eng an der ICE-Trasse orientiert. Er ist insgesamt 26 Kilometer lang und wird vom Umspannwerk Altenfeld bis zum nördlichen Eingang des Singertals eng und parallel mit der bestehenden 380-kV-Leitung Richtung Goldisthal geführt. Am Bleßberg führt der Korridor über Schalkau zum Übergabepunkt an der Landesgrenze zu Bayern. 

380kV-Leitung zum Pumpspeicherwerk Goldisthal Bestehende 380kV-Leitung zum Pumpspeicherwerk Goldisthal auf der Höhe Masserberg.

Dort übernimmt die TenneT TSO GmbH als zuständiger Übertragungsnetzbetreiber in Bayern (zur Projektwebseite auf bayerischer Seite) die Leitungssysteme und führt sie bis Redwitz weiter.

Genehmigungsverfahren

Projektstatus 1. Abschnitt (Lauchstädt – Vieselbach)

Der 1. Abschnitt wurde 2008 abgeschlossen. Seitdem ist die 380-kV-Freileitung zwischen den Umspannwerken Lauchstädt bei Halle und Vieselbach bei Erfurt in Betrieb.

Die Freileitung verläuft auf dem Gebiet von Sachsen-Anhalt und Thüringen. Deshalb führten auch zwei Landesbehörden die erforderlichen Verfahren durch. Innerhalb von nur zwei Jahren waren Raumordnung und Planfeststellung abgeschlossen. Der erste Spatenstich fand im Februar 2006 in Steigra (Saalekreis, Sachsen-Anhalt) statt.

Die 380-kV-Trasse ersetzte eine 220-kV-Leitung, die seit den 1960er-Jahren die Umspannwerke Lauchstädt und Vieselbach verband. Deshalb folgt die neue Höchstspannungsleitung im Wesentlichen der alten Trassierung.

Projektstatus 2. Abschnitt (Vieselbach – Altenfeld)

Nach einer Pause zwischen Februar und August setzte 50Hertz im September 2012 den Bau des 2. Abschnittes fort. Mittlerweile sind die Bauarbeiten abgeschlossen. Seit dem 2. Juli 2015 befindet sich der 2. Abschnitt zwischen Vieselbach und Altenfeld im Betrieb. Zusätzlich zur 380-kV-Leitung baut 50Hertz im Auftrag der Thüringer Energienetze GmbH bei Stadtilm den Abschnitt einer 110-kV-Leitung vom dortigen Umspannwerk zur 380-kV-Trasse.

Projektstatus 3. Abschnitt (Altenfeld – Thüringer Landesgrenze)

Für den 3. Abschnitt besteht Baurecht. Mit Datum vom 21. Januar 2015 hat das Thüringer Landesverwaltungsamt einen Planfeststellungsbeschluss erteilt.

Das Planfeststellungsverfahren wurde am 19. September 2013 offiziell durch das Thüringer Landesverwaltungsamt eingeleitet. Zwischen dem 7. Oktober und dem 18. November 2013 lagen die Planunterlagen in den Verwaltungen betroffener Städte und Gemeinden aus. Zusätzlich wurden sie durch 50Hertz im Internet zur Verfügung gestellt. Die Träger öffentlicher Belange und sonstigen Behörden konnten zwischen dem 27. September und dem 17. Dezember 2013 ihre fachliche Stellungnahme zum Vorhaben abgeben.

Insgesamt gingen 188 Einwendungen von Bürgerinnen, Bürgern und Umweltverbänden bzw. Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange und sonstiger Behörden beim Thüringer Landesverwaltungsamt ein.
Für das Planfeststellungsverfahren erarbeitete 50Hertz als Vorhabenträger eine detaillierte Planung des Trassenverlaufs mit Standorten der Maste, eine Machbarkeitsstudie für eine mögliche Teilverkabelung im Raum Schalkau, führte Untersuchungen zu elektromagnetischen Feldern und zu Geräuschen durch, erarbeitete eine Umweltverträglichkeitsstudie und einen landschaftspflegerischen Begleitplan, in dem alle Eingriffe in die Umwelt erfasst und Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen vorgeschlagen werden.

Des Weiteren waren zur Vorbereitung des Planfeststellungverfahrens umfangreiche Abstimmungen mit den Stadt- und Gemeindeverwaltungen sowie den Forstbehörden notwendig. Den besonderen topographischen Verhältnissen trägt 50Hertz mit sogenannten Weitspannfeldern Rechnung. Dabei werden Täler mit teilweise bis zu 800 Metern Länge überspannt. Ziel ist es, die Sichtbarkeit der Masten und die Auswirkungen auf den Wald möglichst gering zu halten. Dafür erfolgten die technischen Berechnungen zur Statik und Konstruktion von speziellen Masten, die die enormen Zugkräfte aufnehmen können. Das Thüringer Verwaltungsamt wird dann über den Antrag auf Planfeststellung entscheiden.

Dem Planfeststellungsverfahren ging das Raumordnungsverfahren voraus. Dazu führte das verfahrensführende Thüringer Landesverwaltungsamt in Weimar im Mai 2006 eine Antragskonferenz durch, an die sich im Februar 2007 eine ergänzende Beratung anschloss. Im Januar 2010 wurde das Raumordnungsverfahren formal eingeleitet. In dessen Verlauf wurden alternative Trassenverläufe geprüft. Das Raumordnungsverfahren wurde am 30. März 2011 mit der „Landesplanerischen Beurteilung“ abgeschlossen.

Für den Neubau auf dem Streckenabschnitt von der bayerischen Landesgrenze bis Redwitz ist TenneT TSO GmbH zuständiger Übertragungsnetzbetreiber (zur Projektwebseite).

Bau und Betrieb

Seit dem 17. Dezember 2015 befindet sich die Südwest-Kuppelleitung im Testbetrieb.

1. Abschnitt (Lauchstädt – Vieselbach)

Der erste und längste Abschnitt der Südwest-Kuppelleitung zwischen Lauchstädt in Halle und Vieselbach bei Erfurt befindet sich seit 2008 im Betrieb.

2. Abschnitt (Vieselbach – Altenfeld)

Der zweite Abschnitt wurde zwischen den Umspannwerken Vieselbach und Altenfeld seit 2012 errichtet. Der Abschnitt befand sich von Anfang Juli 2015 bis Mitte Dezember 2015 im Testbetrieb und wurde am 17. Dezember 2015 in den Dauerbetrieb überführt.

3. Abschnitt (Altenfeld – Thüringer Landesgrenze)

Der dritte und kürzeste Abschnitt von Altenfeld bis zur Landesgrenze zwischen Thüringen und Bayern befindet sich seit Januar 2015 im Bau. Seit dem 17. Dezember 2015 befindet sich das erste System dieses Abschnitts im Testbetrieb.

Computersimulation

50Hertz zeigt hier einige Aufnahmen aus einer Computersimulation zum Trassenverlauf des 3. Abschnittes der Südwest-Kuppelleitung. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für Fabrikbetrieb und –automatisierung (IFF) aus Magdeburg wurden alle Masten exakt in einem virtuellen Geländemodell des Thüringer Waldes platziert. So ist es mit der entwickelten Software möglich, von jedem theoretischen Punkt einen Blick Richtung Freileitungstrasse zu werfen und zu überprüfen, was bzw. wie viel von den Masten und Leiterseilen tatsächlich im Landschaftsbild wahrnehmbar sein wird.

Für das Internet wurden dazu einzelne Ausschnitte zu kleinen Filmen verarbeitet. Von markanten Aussichtspunkten wie an der Hauptstraße in Masserberg, Friedrichshöhe oder dem Bleßbergturm kann man so heute schon ermessen, wie die Freileitung im Ausblick auf die Landschaft wahrnehmbar sein wird. In die Darstellung wurden auch aktuelle Fotos integriert, die die heute schon vorhandene Freileitung zum Pumpspeicherwerk Goldisthal zeigen und damit verdeutlichen, wie nah die Simulation an die Wirklichkeit heranreicht.

Die einzelnen Filmausschnitte:

Karten

Trassenverlauf 1. Abschnitt

Trassenverlauf 1. Abschnitt Download

Trassenverlauf 2. Abschnitt

Trassenverlauf 2. Abschnitt Download

Trassenverlauf 3. Abschnitt

Trassenverlauf 3. Abschnitt Vergrößern