08.06.2015

Gute Fortschritte beim Bau der Südwest-Kuppelleitung

Gute Fortschritte beim Bau der Südwest-Kuppelleitung
Erfurt – Die Thüringer Strombrücke (380-kV-Leitung zwischen Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt und Redwitz in Bayern) kommt gut voran. Nachdem der erste von insgesamt drei Abschnitten zwischen Bad Lauchstädt und Erfurt-Vieselbach bereits im Dezember 2008 in Betrieb gegangen ist, zeigte sich der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz am Montag in Erfurt zufrieden mit dem derzeitigen Fortschritt beim Bau des zweiten und dritten Abschnitts an der Südwest-Kuppelleitung. Der Technische Geschäftsführer bei 50Hertz, Dr. Frank Golletz, äußerte sich zuversichtlich, einen Großteil aller Masten noch in diesem Jahr errichten zu können. Frank Golletz: „Wir arbeiten mit drei Firmen parallel. So gut wie alle Baustellen sind eingerichtet. Die Hälfte aller Mastfundamente sind entweder in Arbeit oder schon fertig gestellt. Eine voraussichtliche Inbetriebnahme des dritten Abschnittes (zwischen dem thüringischen Altenfeld und der Landesgrenze nach Bayern) im ersten Quartal 2016 scheint derzeit realistisch.“

Golletz lobte die gute Zusammenarbeit mit den öffentlichen Stellen in Thüringen. Auf allen Ebenen stehe man in engem Kontakt und versuche, offene Fragen frühzeitig anzusprechen und zu lösen. Die Kooperation bei den Waldarbeiten mit dem Landesforst Thüringen stehe beispielhaft dafür. „Gerade bei der Umsetzung des ökologischen Schneisenmanagements und den Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ziehen alle an einem Strang“, sagte Golletz. Gleichwohl seien aktuell keine Waldarbeiten wegen der Vogelbrutphase durchführbar.

Der Bau des zweiten Abschnittes zwischen den Umspannwerken Vieselbach und Altenfeld entlang der A71 und der ICE-Strecke ist mittlerweile weit fortgeschritten, obwohl 2013 eine Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss des Thüringer Landesverwaltungsamtes zu einer mehrmonatigen Verzögerung der Bauarbeiten geführt hatte. Diesen Leitungsabschnitt plant 50Hertz noch in diesem Sommer in Betrieb zu nehmen.

Für die Versorgung in Bayern ist aber der dritte Leitungsabschnitt zur Landesgrenze entscheidend. Von dort führt TenneT die Leitung weiter bis ins nahe gelegene bayerische Redwitz. Dieser dritte Abschnitt der Südwest-Kuppelleitung ist mit rund 26 Kilometern der kürzeste in Thüringen, dafür aber technisch anspruchsvoll. Die Trassierung über den Thüringer Wald erfolgte parallel zur ICE-Trasse entlang zahlreicher Höhenzüge, die teilweise schwer zugänglich sind. Um Gipfel und Tallagen zu schonen, achteten die Planer bei der Trassierung auf die Verschattung der Masten und konstruierten Weitspannfelder, damit die Leitung aus den im Tal liegenden Ortschaften möglichst nicht zu sehen ist.

Insgesamt errichtet 50Hertz für den dritten Abschnitt 77 Masten. Dabei entstehen 15 Weitspannfelder. Das längste Weitspannfeld bei Schalkau wird dabei über 800 Meter Entfernung (normal sind 400 Meter) überbrücken. Die Masten zwischen Altenfeld und Schalkau können jeweils vier Stromkreise aufnehmen und erreichen darum eine mittlere Höhe von 60 Metern. Geländebedingt erreichen einzelne Masten eine Höhe von über 70 Metern. Für die Zuwegung zu den Maststandorten kann 50Hertz teilweise auf die Baustraßen aus dem ICE-Bau zurückgreifen. Die Gesamtkosten für das Projekt liegen bei über 300 Millionen Euro.

Die Südwest-Kuppelleitung dient als wichtiger Lückenschluss zwischen den Übertragungsnetzen in Ost- und Westdeutschland. Sie ist ein europäisches und nationales Vorrangprojekt und soll Strom aus Nord- und Ostdeutschland nach Süddeutschland transportieren. Sie wird nominell die Leistung des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld ersetzen, das voraussichtlich am 27. Juni 2015 vom Netz gehen wird. An der Nahtstelle zwischen Thüringen und Bayern fielen in den letzten Jahren sogenannte Redispatch-Kosten in dreistelliger Millionenhöhe nach §§ 13.1 und 13.2 EnWG an, weil das Netz die benötigten Transportleistungen nicht bieten konnte.