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01.07.2016

Energiewende Outlook 2035: Geplante 50Hertz-Netzverstärkungen auch in Zukunft erforderlich

Berlin – Deutschland macht große Fortschritte bei der Energiewende – die Geschwindigkeit und Ausgestaltung der weiteren Entwicklung ist jedoch ungewiss. Mit dem Energiewende Outlook 2035 wagt 50Hertz einen Blick in die Zukunft und stellt die Frage: „Wie könnte die Stromversorgung im Jahr 2035 aussehen – und welches Netz brauchen wir dafür?“ Die Studie identifiziert Gründe für den Bedarf an Netzverstärkungen sowie Wahl- und Entscheidungsoptionen für Gesellschaft und Politik...

Konkret wurden fünf mögliche Entwicklungspfade der Energiewende in Form langfristiger Szenarien abgebildet und die Auswirkungen auf das Stromnetz untersucht: Eine sehr dezentrale prosumerorientierte Energiewende mit einem starken Zubau kleiner Photovoltaik-Anlagen und Speicher, eine wettbewerblich geprägte Energiewende mit besonders hohem Anteil an Windkraft, ein dem heutigen EEG folgender Mix an Technologien, aber auch eine Verzögerung und ein Ausbleiben der Energiewende wurden geprüft. In Sensitivitäten wurde zudem untersucht, wie sich die rasche Reduzierung der Braunkohleverstromung sowie der Bau von Gaskraftwerken und Kleinspeichern tatsächlich auf den Netzausbau auswirken.

„Einige Szenarien bedeuten zwar einen tiefgreifenden Umbau des Versorgungssystems, sind aber nicht unrealistisch. Für jedes Szenario wurde die Entwicklung der Last, der erneuerbaren Energien sowie des konventionellen Kraftwerksparks simuliert, um die Entwicklung des Gesamtsystems in Deutschland zu erfassen“, so Tuncay Türkucar, Geschäftsführer der E-Bridge Consulting GmbH. E-Bridge hat die Studie im Auftrag von 50Hertz gemeinsam mit der Prognos AG, dem Institut für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der RWTH Aachen (IAEW) sowie der FGH GmbH durchgeführt.

Die Ergebnisse sind deutlich: Die aktuell von 50Hertz geplanten Maßnahmen zum Netzausbau sind nahezu vollständig in sämtlichen Szenarien und Sensitivitäten erforderlich. Es zeigt sich, dass auch durch einen gezielten Zubau von Gaskraftwerken in Süddeutschland oder einen starken Rückgang der Braunkohleverstromung kein Netzausbaubedarf vermieden wird. Auch in einer von dezentralen PV-Anlagen und kleinen Batteriespeichern geprägten Energiewende ist erheblicher Übertragungsnetzausbau notwendig.

Die Studie zeigt klar, warum Netzverstärkungen notwendig sind: Das Netzgebiet der 50Hertz ist bereits heute eine der größten Strom-Exportregion Europas und wird zukünftig diese Stellung noch weiter ausbauen. Im Norden und Osten Deutschlands wird langfristig deutlich mehr Strom erzeugt als verbraucht. Die Studie zeigt aber auch, dass sich der derzeit zu beobachtende hohe Stromexportüberschuss Deutschlands deutlich reduzieren könnte. In einigen Szenarien – den Szenarien „verzögerte“ bzw. „unvollständige“ Energiewende – wird Deutschland sogar tendenziell zum Nettoimporteur elektrischer Energie.

Größerer Bedarf an Netzverstärkung ist nicht automatisch mit höheren Kosten gleichzusetzen. So treibt zwar Windstrom den Ausbaubedarf, die günstige Stromproduktion kann die Netzausbaukosten aber kompensieren – jedenfalls dann, wenn der Neubau von Windkraft-Anlagen an ertragreichen Standorten erfolgt.

„Trotz der aktuell hohen Unsicherheiten ist unsere Planung des künftigen Übertragungsnetzes sehr robust, denn der geplante Netzausbau bildet den Grundstock für sehr unterschiedliche mögliche Entwicklungspfade“, erläutert Dr. Dirk Biermann, Geschäftsführer Märkte und Systembetrieb von 50Hertz. „Die Netzverstärkungen sind daher ‚No-regret‘-Maßnahmen und sollten trotz der aktuellen Unsicherheiten zeitnah umgesetzt werden. Ein ganz entscheidender Vorteil im 50Hertz-Netzgebiet ist dabei, dass der Netzausbau zum ganz überwiegenden Teil über die Erweiterung und Verstärkung bestehender Leitungen erfolgen kann“, betont Biermann.

Die untersuchten Szenarien im Detail:

  1. Prosumerorientierte Energiewende: Die Stromversorgung erfolgt zunehmend dezentral durch einen starken Zubau kleiner Photovoltaik-Anlagen und Speicher. (Prosumer = Producer and Consumer)
  2. Energiewende gemäß EEG-Pfad: Die im EEG formulierten Ziele werden durch einen ausgewogenen Mix aus unterschiedlichen Technologien erreicht.
  3. Wettbewerbliche Energiewende: Freie, technologieoffene Ausschreibungen begünstigen eine zentrale Versorgung auf Grundlage großer Windkraftparks und Photovoltaikanlagen.
  4. Verzögerte Energiewende: Die im EEG formulierten Ziele werden nicht rechtzeitig erreicht. Grund für eine solche Verzögerung kann z.B. mangelnde Akzeptanz sein, v.a. mit Blick auf Kosten oder Eingriffe ins Landschaftsbild.
  5. Unvollständige Energiewende: Es kommt zu einem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien, die im EEG formulierten Ziele werden jedoch nicht erreicht.

Den Abschlussbericht finden Sie unter folgendem Link: www.50hertz.com/de/Netzausbau/Wofuer-Netzausbau/50Hertz-Energiewende-Outlook-2035

Pressemitteilung als PDF-Datei

Pressekontakt

Volker Kamm

Pressesprecher

Volker Kamm
Tel: +49 (0) 30 5150-3417
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E-Mail: volker.kamm@50hertz.com