08.03.2012

50Hertz bleibt bei Freileitung in Eberswalde

Notwendiger massiver Eingriff in Eigentumsrechte erschwert Erdkabellösung - Netzbetreiber 50Hertz passt Freileitungstrasse nochmals an

Die Uckermarkleitung wird auch in Eberswalde als Freileitung geplant. Das ist das Ergebnis umfangreicher Machbarkeitsuntersuchungen, die der mit der Planung betraute Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz jetzt abgeschlossen hat. Die Eingriffe in Eigentumsrechte wären so massiv gewesen, dass eine solche Planung im Vergleich zur Freileitungsvariante nicht genehmigungsfähig gewesen wäre, heißt es aus dem Unternehmen. Zusätzlich gibt es auch ein dickes Fragezeichen bei den rechtlichen Rahmenbedingungen: Das Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) von 2009 deckt die Kabellösung nicht.

Großer Flächenverbrauch durch Erdkabel

Ein Erdkabel lässt auf den ersten Blick eine geringere Beeinträchtigung erwarten, doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 31.000 qm2 dauerhaft überbaute Fläche durch ein Erdkabel stehen nur 400 qm2 bei einer Freileitung gegenüber. Denn während die Freileitung weite Flächen einfach überspannt, würde ein Erdkabel über die untersuchte Länge von 1,5 bis 1,7 km vollständig eingegraben. Alle Nutzer von betroffenen Grundstücken würden mit Rechtsansprüchen, Bauarbeiten, Einschränkungen der bisherigen Nutzung konfrontiert werden, da die Kabeltrasse nicht bebaut werden könnte.

„Die Zahlen machen deutlich, dass wir im besten Fall eine Problemverlagerung auf andere Parteien erzielen“, sagt Dr. Frank Golletz, Technischer Geschäftsführer bei 50Hertz in Berlin. „Dem steht dann eine viel größere Zahl von betroffenen Eigentümern gegenüber. Schon allein aus diesem Fakt ergibt sich, dass der Eingriff in den Stadtraum bei einer Kabelvariante viel größer als bei der Freileitung ist“, erläutert Golletz.

Aufwand mit Faktor 12

Eine weitere Hürde sind die steigenden Kosten durch die umfangreichen Baumaßnahmen. Während für die Freileitung in diesem Bereich eine Investitionssumme von rund einer Million Euro pro Kilometer veranschlagt wird, wären es bei einer Kabelanlage in diesem Bereich 12 bis 14,5 Millionen Euro. Diese müsste die Bundesnetzagentur genehmigen. Kosten, die dann wieder auf die Netzentgelte umgewälzt würden.

Damit ist die Schieflage bei der Wirtschaftlichkeit der Investition aber noch nicht vollständig beschrieben. Denn Erdkabel sind in der Wartung und Reparatur um ein Vielfaches kostenintensiver als Freileitungen. Hinzu kommt, dass die Erdkabeltechnik bislang technisch wenig erprobt ist. Damit entstehen neben den technischen zusätzliche finanzielle Risiken, die die ökonomische Rechtfertigung noch einmal verschlechtern.

Freileitungstrasse wird weiter angepasst

Nach den wenig erfreulichen Ergebnissen der Machbarkeitsuntersuchungen für die Erdkabelvariante, bringen die Ingenieure von 50Hertz eine neue Lösung für die Freileitung ins Gespräch, die für eine Reihe von bisher kritisierten Punkten Abhilfe verschaffen kann:

1. Im südlichen Eberswalde werden die Masthöhen deutlich reduziert, und zwar um bis zu 12 Meter.
2. Die vorgesehene Waldüberspannung bei Eberswalde Nord entfällt und der Eingriff in das Waldareal wird vermieden.

Damit wird einerseits die optische Wirkung der Leitung verringert und andererseits kann die bestehende und geplante Gewerbenutzung in Eberswalde Nord erhalten bleiben.

50Hertz wird diese Anpassungen im Wege einer Planänderung in das laufende Planfeststellungsverfahren einbringen. Damit haben die Betroffenen Gelegenheit, zu diesen Anpassungen Stellung zu nehmen.

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