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21.05.2014

Erörterungstermin in Goldisthal: Kaum Auswirkungen auf Tourismus und Mängel bei Jarass-Gutachten

Erörterungstermin in Goldisthal: Kaum Auswirkungen auf Tourismus und Mängel bei Jarass-Gutachten
Zwölf Träger öffentlicher Belange und rund 30 Privatpersonen und Gemeinden haben am 6. und 8. Mai 2014 in Goldisthal mit dem Thüringer Landesverwaltungsamt und 50Hertz ihre Kritikpunkte am geplanten Vorhaben Südwest-Kuppelleitung 3. Abschnitt erörtert. Unter der Regie des Thüringer Landesverwaltungsamtes wurden hier zahlreiche Detailfragen besprochen. Mehrfach konnten vor Ort Kompromisse und gemeinsame Prüftermine vereinbart werden.

An der Grundsatzfrage zur Notwendigkeit der geplanten Höchstspannungsleitung blieben die Positionen weiter gegensätzlich. Vor allem der Ilmkreis und der Landkreis Sonneberg beriefen sich wieder auf das Gutachten von Professor Jarass aus der – inzwischen abgewiesenen – Klage gegen den Planfeststellungsbeschluss beim 2. Abschnitt. Demgegenüber wiesen Experten von Consentec aus Aachen zahlreiche methodische Mängel an dem Papier von Professor Jarass nach. Zu den möglichen Auswirkungen auf den Tourismus präsentierte das Institut für Tourismus- und Bäderforschung Zahlen aus einer aktuellen Studie. Danach fühlen sich Touristen in Deutschland kaum von Freileitungen beeinträchtigt.

Insgesamt 188 schriftliche Einwendungen

Für das rund 26 Kilometer lange Teilstück der Höchstspannungsleitung zwischen den Umspannwerken Altenfeld im Thüringer Wald und Redwitz in Bayern hatten die Planfeststellungsunterlagen für den Thüringer Abschnitt zwischen dem 7. Oktober und 18. November 2013 öffentlich ausgelegen. Insgesamt 188 Einwendungen und Stellungnahmen, davon 129 von Privatpersonen, wurden schriftlich eingereicht.

Die Aussagen von Professor Jarass, der auch in dem laufenden Verfahren wieder als Gutachter auftritt, wurden von dem Ingenieurbüro Consentec überprüft, das über eine ausgewiesene energiewirtschaftliche Expertise verfügt. Im Ergebnis macht Consentec deutlich, dass die von Professor Jarass vorgelegte Unterlage keinesfalls geeignet ist, die Notwendigkeit des Netzausbaus im Falle der Südwest-Kuppelleitung gutachterlich zu beurteilen. Das Vorgehen sei im höchsten Maße sachwidrig, methodisch unzureichend und mit grundlegenden wissenschaftlichen Mängeln behaftet.

Touristen nehmen Freileitungen selten als störend wahr

Stromtrassen werden von deutschen Urlaubern in heimischen Mittelgebirgen wie dem Thüringer Wald eher selten als störend empfunden. Nur 0,9 Prozent der Urlauber fühlten sich bei ihrer Haupturlaubsreise 2013 durch Freileitungen gestört. Das ist das Ergebnis einer aktuellen bevölkerungsrepräsentativen Untersuchung des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT). Im Ergebnis könne es allenfalls einzelbetrieblich zu Störungen kommen, wenn sie mit anderen vorhandenen Landschaftsbildstörungen zusammenfallen. Wesentlich bedeutsamer seien aber andere Faktoren wie Servicequalität oder touristische Infrastruktur.

Nach dem Erörterungstermin wird das Thüringer Landesverwaltungsamt jetzt die schriftlichen und mündlichen Einwendungen prüfen. In Abwägung mit dem von 50Hertz gestellten Antrag auf Planfeststellung wird dann voraussichtlich in einigen Monaten ein förmlicher Beschluss erlassen. Genehmigt das Thüringer Landesverwaltungsamt den Antrag, hat 50Hertz Baurecht. Gegen den Beschluss können alle Beteiligten vor dem Bundesverwaltungsgericht Klage erheben.

Pressemitteilung vom 6. Mai
Pressemitteilung vom 8. Mai