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Europäischer Stromhandel und Engpassmanagement

Allgemeines

Der europäische Strombinnenmarkt ist in den vergangenen Jahren enger zusammengewachsen: Strom wird seit Ende der 1990er Jahre in zunehmendem Maße grenzüberschreitend gehandelt. Die Übertragungskapazitäten an den Grenzkuppelstellen zu den europäischen Nachbarn sind in der Regel begrenzt. Vielerorts überschreiten die nachgefragten Übertragungskapazitäten regelmäßig die physikalischen Übertragungsmöglichkeiten – es kommt zu Engpässen.

Mit den Methoden des Engpassmanagements soll die vorhandene Kapazität optimal genutzt werden. Wichtigstes Instrument hierzu sind Auktionen, in denen die Übertragungskapazitäten für den grenzüberschreitenden Stromhandel dem Markt zur Verfügung gestellt werden. Grundsätzlich unterscheidet man dabei zwischen expliziten und impliziten Auktionen. Bei expliziten Auktionen wird ausschließlich ein Recht auf die Nutzung von Übertragungskapazität (Übertragungsrecht) versteigert. Das entsprechende grenzüberschreitende Energiehandelsgeschäft für dessen Lieferung das ersteigerte Übertragungsrecht genutzt werden soll, muss vom Händler separat über die Strombörsen oder außerbörslich (OTC) abgeschlossen werden. Bei einer impliziten Auktion hingegen ist mit dem Übertragungsrecht immer auch eine verbindliche Stromlieferung verbunden (Marktkopplung). Prämisse bei allen Verfahren zur Vergabe von grenzüberschreitenden Stromübertragungskapazitäten ist, dass für alle Marktteilnehmer die gleichen Voraussetzungen gelten.

Gesetzlicher Rahmen des Engpassmanagements

Gemäß § 15 der Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV) und entsprechend der EG-Verordnung 714/2009 über die Netzzugangsbedingungen für den grenzüberschreitenden Stromhandel sind Betreiber von Übertragungsnetzen verpflichtet, im Falle von Netzengpässen die verfügbaren Leitungskapazitäten nach marktorientierten und transparenten Verfahren diskriminierungsfrei zu bewirtschaften, sofern die Entstehung solcher Engpässe nicht im Rahmen des wirtschaftlich Zumutbaren mit Hilfe von netz- und marktbezogenen Maßnahmen verhindert werden kann. Des Weiteren sieht der in der VO (EG) 714/2009 festgelegte Regulierungsrahmen die Schaffung von harmonisierten Netzkodizes und Leitlinien u. a. auch für Regeln für das Engpassmanagement vor.

Mit Inkrafttreten der EU-Verordnung Nr. 2015/1222 vom 24.07.2015 zur Festlegung einer Leitlinie für die Kapazitätsvergabe und das Engpassmanagement (Guideline on Capacity Allocation and Congestion Management; kurz CACM) am 14.08.2015 wurden in Ergänzung zur VO (EG) 714/2009 harmonisierte Mindestvorschriften für eine einheitliche Kapazitätsallokation in den Zeitbereichen Day-Ahead- bzw. Intraday sowie Rahmenbedingungen und Prozesse für die Weiterentwicklung eines effizienten Systems der Kapazitätsberechnung und -vergabe sowie des Engpassmanagements (bspw. Redispatch) definiert. Die EU-Verordnung Nr. 2016/1719 vom 26.09.2016 zur Festlegung einer Leitlinie für die Vergabe langfristiger Kapazität (Guideline on Forward Capacity Allocation; kurz FCA) ist am 17.10.2016 in Kraft getreten und ergänzt die Regelungen der Guideline CACM um die langfristigen Zeitbereiche. Die Regelungen dieser beiden EU-Verordnungen sind entsprechend der jeweils enthaltenen Fristen umzusetzen.

Weitere Informationen

Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie Informationen zu den bestehenden internationalen Leitungen, über die das Übertragungsnetz von 50Hertz derzeit mit den Übertragungsnetzen anderer Länder verbunden ist. Hier können Sie sich über die aktuellsten Entwicklungen der Projekte zum Aus- und Umbau dieser sogenannten Interkonnektoren informieren. Des Weiteren veröffentlichen wir aktuelle Daten zu Revisionsplanungen und Ausfällen, die sich auf die Übertragungskapazitäten der Interkonnektoren auswirken. 

Um eine effiziente Nutzung und einen sicheren Betrieb des Übertragungsnetzes von 50Hertz als Teil des europäischen Netzverbundes sicherzustellen, werden die für den internationalen Stromhandel zur Verfügung stehenden grenzüberschreitenden Übertragungskapazitäten nach einer durch die Bundesnetzagentur genehmigten Methodik bestimmt und im Rahmen einer transparenten und diskriminierungsfreien Kapazitätsvergabe dem Markt zur Verfügung gestellt. 

Ein Ziel des dritten Energiepakets der EU ist die Entwicklung eines integrierten europäischen Strombinnenmarktes. Dazu arbeitet 50Hertz in verschiedenen nachfolgend beschriebenen Projekten eng mit den anderen europäischen Übertragungsnetzbetreibern zusammen.