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13.04.2016

Meilenstein zur besseren Lastflusssteuerung zwischen deutschem und polnischem Stromübertragungsnetz

Warschau/Berlin – Im Mai dieses Jahres nimmt der polnische Übertragungsnetzbetreiber PSE an der 380-kV-Leitung Hagenwerder – Mikulowa, der südlichen Verbindungsleitung zwischen dem deutschen und dem polnischen Stromübertragungsnetz, die ersten vier Phasenschieber (PST) auf polnischer Seite im Umspannwerk Mikulowa in Betrieb. PST sind „regelbare Widerstände“, die auch „Querregeltransformatoren“ oder einfach „Querregler“ genannt werden und so ähnlich funktionieren wie ein Ventil, mit dem man den Wasserfluss in einer Wasserleitung reduzieren oder erhöhen kann. Mit ihrer Hilfe kann man den Stromfluss auf einer konkreten Leitung in einem vermaschten Stromnetz bis zu einem gewissen Grad ändern, dass dieser über die jeweilige Leitung z.B. geringer ausfällt und andere Leitungen dafür stärker belastet werden.

Die PST in Mikulowa sind das erste von zwei Teilprojekten zur Optimierung der Lastflusssteuerung und Reduzierung der Ringflüsse durch das polnische Netz in Folge der sogenannten „ungeplanten Lastflüsse“ an der deutsch-polnischen Grenze; das zweite Teilprojekt wird der Bau der PST an der Leitung Vierraden – Krajnik, der nördlichen Verbindungsleitung, auf deutscher Seite im Umspannwerk Vierraden sein. Das Gesamtprojekt wurde gemeinsam von PSE und 50Hertz geplant, die PST auf beiden Seiten der Grenze werden in enger Abstimmung zum Einsatz kommen.

Um PST auch an der Leitung Vierraden – Krajnik betreiben zu können, muss diese zunächst vom derzeitigen 220-kV-Betrieb auf 380 kV aufgerüstet werden. Zudem soll die geplante 380-kV-Uckermarkleitung an die Leitung Vierraden – Krajnik angebunden werden. Da sich der Bau der Uckermarkleitung aber aufgrund eines Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom Januar 2016 voraussichtlich bis 2020 verzögern wird, installiert 50Hertz im Umspannwerk in Vierraden zwei 380/220-kV-Transformatoren, die den Betrieb von zunächst zwei der insgesamt vier geplanten PST im Umspannwerk Vierraden mit den bestehenden, von Vierraden abgehenden 220-kV-Leitungen ermöglichen. Um dies so schnell wie möglich zu realisieren und auch den effizienten Betrieb der PST in Mikulowa zu ermöglichen und die Leitung Vierraden-Krajnik durch den PST-Betrieb in Mikulowa nicht permanent zu überlasten, ist es notwendig, Anfang Juni 2016 die Leitung Vierraden – Krajnik für voraussichtlich zwei Jahre abzuschalten. Das genaue Datum der Abschaltung hängt vom Verlauf des Inbetriebnahme-Prozesses der PST ab und wird rechtzeitig bekannt gegeben werden. In dieser Zeit wird auch das Umspannwerk Krajnik für einen 380-kV-Betrieb ausgebaut. Nach derzeitigen Planungen wird die Wiedereinschaltung dieser Leitung und die Inbetriebnahme der ersten beiden PST im Umspannwerk Vierraden im Jahr 2018 erfolgen.

Die vorübergehende Abschaltung ist auch für die effektive Nutzung der PST in Mikulowa notwendig, um viele kostspielige grenzüberschreitende Redispatch-Maßnahmen zu vermeiden, die unter Umständen nicht immer verfügbar sind, was die Erfahrungen aus dem Sommer 2015 gezeigt haben. Des Weiteren soll die Steuerung des physikalischen Stromflusses auf der Leitung zwischen Hagenwerder und Mikulowa durch den PST-Betrieb die Freigabe kommerzieller Übertragungskapazitäten von Deutschland nach Polen ermöglichen. So wollen beide Übertragungsnetzbetreiber grenzüberschreitende Kapazitäten für den Stromhandel im Rahmen der vortäglichen Kapazitätsvergabe freigeben, die auf Grundlage technischer Analysen und Betriebserfahrungen ermittelt werden.

Das Gesamtprojekt wird mit der Inbetriebnahme der Uckermarkleitung und aller vier PST in Vierraden - vorbehaltlich der Genehmigung der Uckermarkleitung - voraussichtlich im Jahr 2020 abgeschlossen. Bis dahin kann durch die oben beschriebenen Maßnahmen der Stromfluss zwischen beiden Ländern so gesteuert werden, dass das Stromnetz im deutsch-polnischen Grenzgebiet weiterhin stabil und sicher betrieben und so viel Handelskapazität wie aus netzsicherheitstechnischen Gründen möglich über die deutsch-polnische Grenze zur Verfügung gestellt werden kann. Dies war in der jüngeren Vergangenheit kaum möglich, da nicht selten „ungeplante Lastflüsse“ von Deutschland nach Polen eine kommerzielle Nutzung der Leitungen nahezu unmöglich gemacht hatten.

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