27.06.2012

Wirtschaftsminister und Bürgerinitiative studierten technische Bedingungen von 380-kV-Erdverkabelung

Wirtschaftsminister und Bürgerinitiative studierten technische Bedingungen von 380-kV-Erdverkabelung
Erdverkabelung im Höchstspannungsbereich 380-kV ist nicht Stand der Technik. 50Hertz gehört zu den wenigen Netzbetreibern in Europa, die damit erste Erfahrungen im laufenden Betrieb gemacht haben.

Grund genug für den Brandenburgischen Wirtschaftsminister Ralf Christoffers und die Bürgerinitiative „Biosphäre unter Strom“ sich die Anlage am 27. Juni in Berlin genauer anzuschauen. Die Einladung dazu hatte Dr. Frank Golletz, Technischer Geschäftsführer bei 50Hertz, während der Dialogveranstaltung zur Uckermarkleitung im März ausgesprochen.

Erdverkabelung lag in der Diskussion um die Uckermarkleitung wiederholt als Wunschlösung auf dem Tisch. Darum bot der Besuch in Berlin eine gute Gelegenheit, sich ein Bild von den technischen Herausforderungen und Dimensionen eines Kabelsystems zu machen. Dr. Frank Golletz betonte, dass der Kabeltunnel in der früheren Insellage der Stadt Berlin seinen Ursprung hatte und darum nicht als „Stromautobahn“ ausgelegt worden sei. Im Gegensatz zur geplanten Uckermarkleitung wurde in Berlin nur ein System verlegt, während für die Uckermarkleitung für eine sichere Versorgung zwei Systeme vorgesehen sind.

Über 30 Meter tief stiegen die Besucher im Umspannwerk Friedrichshain in den Kabeltunnel hinab. In einer drei Meter durchmessenden Betonröhre sind dort jeweils drei Kabel mit rund 20cm Durchmesser links und rechts an den Tunnelwänden montiert. In der Tunnelmitte kann eine Wartungskapsel die sechs Kilometer lange Strecke befahren. Die verwendeten Kabel sind sehr schwer (ca. 30 Kilo pro Meter). Sie können nur in Stücken von rund 600 Metern Länge zum Montageort transportiert werden. Die Kabelstücke werden dann mit Muffen verbunden.

In Berlin dient der Tunnel auch dazu, die von den Kabeln entwickelte Hitze abzutransportieren. Dazu sind Gebläse installiert. Würde ein Kabel dagegen in die Erde verlegt, fiele das natürliche Kühlmittel Luft aus. Wärmeentwicklung und elektrisches Verhalten bedingen auch die Abstände, mit denen die Kabel im Boden verlegt werden müssen.

50Hertz verbindet mit dem Besuchstermin im 380-kV-Kabeltunnel die Hoffnung auf eine Versachlichung der Diskussion um die 380-kV-Erdverkabelung. Neben den rechtlichen Bedingungen, müssen auch die technischen und baulichen Bedingungen beachtet werden. Eine Erdverkabelung stellt möglicherweise den geringeren Eingriff in das Landschaftsbild, sicherlich aber den gravierenderen in das Ökosystem Boden dar. Sieht man von den rechtlichen Bedingungen ab, muss eine Abwägung zwischen Freileitung und Erdkabel immer als Einzelfall gehandhabt werden.

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