12.05.2016

Uckermarkleitung: Mögliche Auswirkungen auf drei europäische Vogelschutzgebiete werden weiter untersucht

Berlin – Der Stromübertragungsnetzbetreiber 50Hertz prüft das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur Uckermarkleitung und untersucht Lösungswege, um der Gerichtsentscheidung zur entsprechen. 50Hertz hält an der dringend benötigten Uckermarkleitung fest und wird den Antrag auf Planfeststellung entsprechend überarbeiten. Dies teilte das Unternehmen heute mit. Anlass ist die Zustellung der Urteilsbegründung durch das Bundesverwaltungsgericht zu dem am 21. Januar 2016 ergangenen Urteil zum Planfeststellungsbeschluss der Uckermarkleitung. Damals hatte das Gericht den bestehenden Planfeststellungsbeschluss für rechtswidrig und überarbeitungsbedürftig erklärt.

Nachbesserungsbedarf sieht das Bundesverwaltungsgericht bei der Beurteilung der Auswirkungen der Uckermarkleitung auf die betroffenen europäischen Vogelschutzgebiete. Die teilweise neu trassierte Uckermarkleitung umgeht bei Angermünde weite Teile des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin, berührt aber dennoch die großräumig ausgewiesenen Vogelschutzgebiete Randow-Welse-Bruch, Schorfheide-Chorin und Unteres Odertal.

Alle anderen Kritikpunkte der Klägergemeinschaft, die vom Nabu Brandenburg angeführt wird, wies das Gericht dagegen zurück. Die Trassenführung der als Freileitung beantragten Uckermarkleitung sei nicht zu beanstanden. Dies gelte genauso für die immissionsschutzrechtlichen Untersuchungen bezüglich Lärm sowie elektrischer und magnetischer Felder.

50Hertz wird in dem notwendig gewordenen Planergänzungsverfahren in den kommenden Monaten darum untersuchen, wie sich das Anprallrisiko der Vögel artspezifisch ermitteln lässt und wie es sich auf die jeweiligen Populationen auswirkt. Insbesondere einzelne nachtaktive Brutvogelarten stehen dabei im Fokus. Die in der Verträglichkeitsprüfung bislang vorgelegten Untersuchungsergebnisse waren dem Gericht nicht detailliert genug. Darüber hinaus wird 50Hertz Gespräche mit den Experten und Interessenvertretern der Region suchen.

50Hertz wird die überarbeiteten Planunterlagen beim Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe des Landes Brandenburg in Cottbus einreichen. Für die ergänzenden Untersuchungen, die Überarbeitung des Antrages und das anschließende Planergänzungsverfahren rechnet 50Hertz mit einer Dauer von ein bis zwei Jahren. Ergeht dann ein rechtsgültiger Planfeststellungsbeschluss, würde sich eine Bauzeit von zwei bis drei Jahren anschließen, so dass mit einer Inbetriebnahme der Uckermarkleitung nicht vor dem Jahr 2020 zu rechnen ist.

Informationen zur Uckermarkleitung

Die Uckermarkleitung wird auf rund 115 Kilometern zwischen den Umspannwerken Bertikow im Norden Brandenburgs – über Vierraden mit einem wichtigen Interkonnektor ins polnische Netz – bis nach Neuenhagen im Nordosten von Berlin verlaufen. Die neue Leitung soll eine alte 220-kV-Leitung, die heute mitten durch das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin verläuft, ersetzen. Die Planungen für die neue Freileitung haben 2005 begonnen. Die Leitung war bereits Bestandteil der ersten Netzstudien der Deutschen Energieagentur und des Verbundplans transeuropäischer Netze 2006/2007 und wurde 2009 im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG) als Vorhaben von nationaler Bedeutung aufgeführt. Danach ist die Uckermarkleitung für die Anbindung der Windenergieanlagen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern von herausragender Bedeutung. Sie dient dem Abtransport von regenerativ erzeugtem Strom aus dem windreichen Norden zu den Lastzentren im Süden. Die erneuerte Uckermarkleitung ist auch von zentraler Bedeutung für die Errichtung von Phasenschiebertransformatoren an den Kuppelstellen nach Osteuropa und wurde 2013 in die europäische Liste der Projekte von gemeinsamem Interesse (Projects of Common Interest – PCI) aufgenommen.

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