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08.05.2014

Südwest-Kuppelleitung: Kaum Auswirkungen auf Tourismus zu erwarten

Goldisthal  – Stromtrassen werden von deutschen Urlaubern in heimischen Mittelgebirgen wie dem Thüringer Wald eher selten als störend empfunden.

Nur 0,9 Prozent der Urlauber fühlten sich bei ihrer Haupturlaubsreise 2013 durch Freileitungen gestört. Das ist das Ergebnis einer aktuellen bevölkerungsrepräsentativen Untersuchung des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT).

Das Kieler Institut hat die Untersuchung im Januar 2014 im Rahmen der jährlichen Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen durchgeführt. 50Hertz hat auf der Basis dieser neutralen Daten die Tourismusforscher gebeten, eine Analyse für die Region Südthüringen zu erstellen, in der gerade das Planfeststellungsverfahren für den dritten Abschnitt der Südwest-Kuppelleitung in die entscheidende Phase geht. Danach könne es allenfalls einzelbetrieblich zu Störungen kommen wenn sie mit anderen vorhandenen Landschaftsbildstörungen zusammenfallen. Wesentlich bedeutsamer seien aber andere Faktoren wie Servicequalität oder touristische Infrastruktur.

Die Studie untersuchte die Auswirkungen von Bauwerken der Erneuerbaren Energien, aber auch Hochhäuser, Industrieanlagen oder Autobahnen auf ihre Wahrnehmung und Bedeutung für den Tourismus. Danach werden vor allem Autobahnen (41 Prozent) und Solaranlagen (31 Prozent) von Urlaubern im Landschaftsbild wahrgenommen. Es folgen einzelne Windkraftanlagen mit immer noch knapp einem Drittel (29 Prozent). Stromtrassen wurden von einem Viertel der Befragten im Landschaftsbild ihrer Urlaubsregion wahrgenommen.

Gerade in Mittelgebirgslagen werden Anlagen aus dem Bereich Erneuerbare Energien deutlich stärker wahrgenommen als Stromtrassen. Hier liegen die Ergebnisse der Kieler Forscher für EEG-Anlagen bei 64 Prozent. Stromtrassen erreichen hier nur einen Wert von 24 Prozent. „Die Ergebnisse sind in Ihrer Deutlichkeit auch für uns überraschend“, stellte Dirk Manthey, Verantwortlicher Projektkommunikation bei 50Hertz, am Rande des Erörterungstermins in Goldisthal fest. „Wir sind dankbar, dass wir die aktuellen Daten des Instituts für Bäder- und Tourismusforschung nutzen konnten. Denn sie bringen Klarheit in eine Diskussion, die bisher vor allem von Spekulationen beherrscht wurde. Die Ergebnisse sind geeignet, den Verantwortlichen in Südthüringen die Sorge um negative Auswirkungen auf den Tourismus zu nehmen.“

50Hertz bringt die Studie im Rahmen des Erörterungstermins für den 3. Abschnitt der Südwest-Kuppelleitung in das Planfeststellungsverfahren als Unterlage ein. Für weitere Auskünfte zu den Inhalten und weiteren Ergebnissen der Untersuchung steht Dr. Dirk Schmücker, Leiter Forschung, vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (NIT) beim Erörterungstermin in Goldisthal zur Verfügung. Die Südwest-Kuppelleitung gehört zu den wichtigen Verbindungen der Elektrizitätsnetze in Europa und nach der EU-Entscheidung Nr. 1364/2006/EG zu den transeuropäischen Energienetzen, und zwar unter der Ziffer EL.7. als Verbindungsleitung Halle/Saale-Schweinfurt (DE). Entsprechend fand sie als Nr. 4 auch Aufnahme in das nationale Energieleitungsausbaugesetz

(EnLAG) von 2009, in dem der Deutsche Bundestag insgesamt 24 Ausbauprojekte als vordringlichen Bedarf beim Netzausbau einstufte. Noch bis zum 9. Mai führt das Thüringer Landesverwaltungsamt in Goldisthal die mündliche Erörterung im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens durch. Der 1. Abschnitt zwischen den Umspannwerken Bad Lauchstädt und Vieselbach ist seit 18. Dezember 2008 in Betrieb. Der 2. Abschnitt der Freileitung befindet sich im Bau und soll noch 2014 fertiggestellt werden.

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