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14.03.2016

Mit Rekord-Investitionen in den Netzausbau treibt 50Hertz die Energiewende auch 2015 voran

902 Millionen Euro in Netzausbau investiert / Umsatz bei 9,799 Milliarden Euro / Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch im 50Hertz-Gebiet auf 49 Prozent gestiegen / Kostenexplosion beim Engpassmanagement zeigt Dringlichkeit des Infrastrukturausbaus und belastet HGB-Ergebnis

Mit Rekord-Investitionen in den Netzausbau treibt 50Hertz die Energiewende auch 2015 voran

Berlin – Das Jahr 2015 beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz war ein Jahr der Superlative: Fast 50 Prozent Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch und Rekord bei den Investitionen; negativer Höchststand bei den Engpassmanagement-Kosten zur Integration der Erneuerbaren. Das geht aus der heute vorgestellten Geschäftsbilanz des für den Norden und Osten Deutschlands zuständigen Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz für das Jahr 2015 hervor.

Die Umsatzerlöse sind mit 9,799 Milliarden Euro (nach dem internationalen Finanzbericht-Standard IFRS) im Vergleich zum Vorjahr (2014: 8,569 Milliarden Euro) gestiegen. Hauptbestandteil des Umsatzes waren die Erlöse aus dem treuhänderischen Erneuerbare-Energien-Geschäft, die jedoch aufgrund der deutschen Vergütungs- und Umlagemechanik nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen ergebnisneutralen und rein durchlaufenden Posten darstellen. Der Umsatz aus dem Netzgeschäft lag im vergangenen Jahr bei 1,495 Milliarden Euro im Vergleich zu 1,022 Milliarden Euro im Jahr 2014. Diese Entwicklung wurde maßgeblich durch stark gestiegene Kosten für nationale und internationale Redispatch-Maßnahmen beeinflusst.

Die stark gestiegenen Engpassmanagementkosten belasteten erheblich das ausschüttungsrelevante Ergebnis nach HGB, das von 166 Millionen Euro in 2014 auf 46 Millionen Euro in 2015 fiel. Das nach wirtschaftlichen Kriterien bemessene IFRS-Ergebnis – in dem die Engpassmanagementkosten neutralisiert werden – betrug 199 Millionen Euro. Das um regulatorische und operative Einmaleffekte bereinigte IFRS-Ergebnis erreichte 148 Millionen Euro und reflektiert den Geschäftszuwachs infolge der Investitionstätigkeit.

Die Investitionen stiegen von 572 Millionen Euro im Jahr 2014 um knapp 58 Prozent auf 902 Millionen Euro im Jahr 2015 deutlich an und spiegeln vor allem den voranschreitenden Netzausbau zur Integration der erneuerbaren Energien wider. Hiervon entfielen ca. 302 Millionen Euro auf Onshore- (2014: 264 Millionen Euro) und rund 600 Millionen Euro auf Offshore-Investitionen (2014: 308 Millionen Euro). Das Wachstum infolge der Investitionstätigkeit und die zunehmende Komplexität des Netzgeschäfts spiegeln sich auch im Personalzuwachs auf nunmehr 955 Mitarbeiter (2014: 893) deutlich wider. 50Hertz plant für den Zeitraum 2016 bis 2020 Investitionen von insgesamt rund 3,45 Milliarden Euro.

Netzausbau als Schlüssel zur Energiewende

Im vergangenen Jahr konnte 50Hertz 115 Kilometer neue Freileitungen fertigstellen, weitere 165 Kilometer befanden sich im Bau und 449 Kilometer im Genehmigungsverfahren.
Mit der Freigabe des zweiten Abschnitts der Südwest-Kuppelleitung in den Dauerbetrieb und des dritten Bauabschnitts in den Testbetrieb konnte 50Hertz noch im Jahr 2015 einen Teil der kompletten 380-kVLeitung von Sachsen-Anhalt nach Bayern in Betrieb nehmen, die für die Energiewende und die Energieversorgung Süddeutschlands von enormer Bedeutung ist. Mit der vorzeitigen Inbetriebnahme, ursprünglich für 2016 geplant, war es möglich, den Stromtransport zwischen Nord- und Süddeutschland noch vor der kritischen Winterzeit zu verbessern und die Netzstabilität im Norden Bayerns nach der Abschaltung des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld zu stabilisieren.

Bei einer der großen geplanten Gleichstromverbindungen in Deutschland – der Süd-Ost-Passage – konnte 2015 eine politische Einigung erzielt werden, in deren Folge Anfangs- und Endpunkt verschoben und der grundsätzliche Erdkabelvorrang für die Gleichstromprojekte festgeschrieben wurde. Das Projekt wird nun von 50Hertz und Tennet neu aufgesetzt. Sowohl bei der Planung wie auch im Genehmigungsverfahren und beim Bau müsse weiterhin alles dafür getan werden, den Menschen in den betroffenen Regionen die Hintergründe und die Notwendigkeit des Leitungsausbaus sowie der Energiewende als Ganzes zu erläutern, um gemeinsam möglichst einvernehmliche Lösungen für den Umbau der Energieinfrastruktur zu finden, so Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Im Offshore-Bereich hat 50Hertz unter anderem durch die Inbetriebnahme des Windparks Baltic 2 und durch den Baustart der Leitung Ostwind 1 mit 600 Millionen Euro die höchste Investition der Unternehmensgeschichte getätigt. All diese Aktivitäten, onshore wie offshore, tragen zum Gelingen der Energiewende bei, die auch 2015 im 50Hertz-Netzgebiet für neue Rekorde gesorgt hat. So belief sich der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch im vergangenen Jahr auf rund 49 Prozent, was einer Steigerung von sieben Prozentpunkten innerhalb eines Jahres entspricht. In ganz Deutschland liegt der Anteil nach vorläufigen Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums bei voraussichtlich etwas über 30 Prozent. „Die Zahlen sind Beleg dafür, dass der Nordosten Deutschlands weiterhin Vorreiter beim Ausbau und der Integration der erneuerbaren Energien ins Netz ist. Allerdings zeigen die sehr hohen Kosten für das Engpassmanagement im Jahr 2015, dass wir beim Netzausbau noch rascher vorankommen müssen, um die Erneuerbaren sicher ins Netz integrieren und den weiteren Zuwachs bewältigen zu können“, betonte 50Hertz-CEO Schucht. Diese Kosten des Engpassmanagements – das sogenannte Redispatch, also das Herauf- und Herunterregeln konventioneller Kraftwerke sowie die Abregelung von erneuerbaren Erzeugungsanlagen zur Stabilisierung des Systems – sind im vergangenen Jahr auf 346 Millionen Euro heraufgeschnellt (2014: 91 Millionen Euro).

Kosten für die Energiewende müssen fair verteilt werden

Nicht zuletzt die Kosten für das Engpassmanagement führen dazu, dass gerade in den Regionen, in denen viel erneuerbare Energien ausgebaut worden sind und ausgebaut werden (z.B. Nordostdeutschland), die Netzentgelte häufig höher liegen als in den Regionen, die weniger für den Ausbau der erneuerbaren Energien tun.
Nach Auffassung von Boris Schucht wird diese derzeit gültige Netzentgeltsystematik den Herausforderungen der Energiewende nicht gerecht, setzt falsche Anreize und bestraft ausgerechnet die Regionen, die das bundesweite Projekt Energiewende aktiv vorantreiben, mit höheren finanziellen Belastungen. Schucht weiter: „Die Kosten für die Energiewende müssen generell fair verteilt werden. Dies gilt auch für die unterschiedlich hohen Netzentgelte, die weiter auseinander zu driften drohen und mit ursächlich sind für die regionalen Strompreisdifferenzen. Im Weißbuch zum Strommarktdesign hat die Bundesregierung ein erstes wichtiges Signal für die Einführung eines bundesweit einheitlichen Netzentgelts auf Übertragungsnetzebene gegeben. Dies sollte, neben der Abschaffung der vermiedenen Netzentgelte für volatile Einspeiser, zeitnah umgesetzt werden.“

50Hertz sorgt mit rund 950 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für den Betrieb und den Ausbau des Übertragungsnetzes. Darüber hinaus ist das Unternehmen für die Führung des elektrischen Gesamtsystems auf den Gebieten der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verantwortlich. Als Übertragungsnetzbetreiber im Herzen Europas steht 50Hertz für die sichere Integration der erneuerbaren Energien, die Entwicklung des europäischen Strommarktes und den Erhalt eines hohen Versorgungssicherheitsstandards. Anteilseigner sind seit 2010 der belgische Netzbetreiber Elia (60 Prozent) sowie der australische Infrastrukturfonds IFM Investors (40 Prozent). Als europäischer Übertragungsnetzbetreiber ist 50Hertz Teil der Elia Gruppe und Mitglied im europäischen Verband ENTSO-E.

Pressemitteilung als PDF-Datei

Präsentation der Bilanzpressekonferenz