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13.03.2013

Gutes Ergebnis aufgrund positiver Geschäftsentwicklung und regulatorischer Sondereffekte

Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz legt Geschäftsbilanz 2012 vor

Berlin – Der für den Norden und Osten Deutschlands zuständige Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat am heutigen Mittwoch die Geschäftsbilanz für das Jahr 2012 vorgelegt. Demnach sind die Umsatzerlöse von 7,004 Milliarden Euro in 2011 auf 8,555 Milliarden Euro (nach IFRS) in 2012 gestiegen. Haupttreiber dafür waren die Erlöse aus dem Erneuerbare-Energien-Geschäft, die jedoch aufgrund der deutschen Vergütungs- und Umlagemechanik nach Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen ergebnisneutralen durchlaufenden Posten darstellen. Der eigentliche Netzumsatz lag im vergangenen Jahr bei 845 Millionen Euro im Vergleich zu 759 Millionen Euro in 2011.

Das Ergebnis nach Steuern betrug 2012 nach IFRS 111 Millionen Euro (2011: 54 Millionen Euro). Neben dem voranschreitenden Netzausbau waren in erster Linie der Abbau regulatorischer Benachteiligungen und daraus resultierende, einmalige Nachholeffekte für das positive Ergebnis verantwortlich. Zu diesen Sondereffekten zählen die Abschaffung des Zeitverzuges bei der Anerkennung von Investitionskosten und regulatorische Fortschritte zur Ermittlung der Kapitalkosten von Investitionen. Belastend schlug der sehr hohe Finanzierungsbedarf zur Sicherung der Liquidität aufgrund des extrem negativen EEG-Kontostandes zu Buche. Der Mittelabfluss auf dem EEG-Konto betrug in 2012 – nur für 50Hertz – ca. 530 Millionen Euro. Um die Liquidität von 50Hertz weiter zu sichern, musste zusätzliches Fremdkapital in Höhe von 200 Millionen Euro beschafft werden.

Die Investitionen stiegen im Jahr 2012 auf 254 Millionen Euro (2011: 245 Millionen Euro) leicht an und spiegeln den voranschreitenden Netzausbau zur Integration der erneuerbaren Energien wider. Hiervon entfielen 144 Millionen Euro auf Onshore- und 110 Millionen Euro auf Offshore-Investitionen. Insgesamt nimmt die Integration der erneuerbaren Energien 90 Prozent des Investitionsvolumens von 50Hertz ein, das im Jahre 2012 von der Bundesnetzagentur als einziger vollständig eigentumsrechtlich entflochtener deutscher Übertragungsnetzbetreiber zertifiziert wurde.

Energiewende kommt voran: Hoher Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch und Fortschritte beim Netzaus- und -umbau

Nach Auffassung von Boris Schucht, Vorsitzender der Geschäftsführung von 50Hertz, zeige nicht zuletzt das hohe Investitionsniveau, dass die Umsetzung der Energiewende im Jahr 2012 im Netzgebiet von 50Hertz gut vorangekommen sei. Mit der Inbetriebnahme der Nordleitung zwischen Schwerin und Hamburg und der innovativen Neubeseilung der hochbelasteten Leitung von Remptendorf (Thüringen) nach Redwitz (Bayern) mit Hochtemperaturseilen im Abschnitt Südthüringen konnten zwei wichtige Projekte zum Netzausbau und zur Netzverstärkung verwirklicht werden. Zudem gab es bei mehreren Leitungsbauvorhaben deutliche Fortschritte in den Genehmigungsverfahren, der Bau der wichtigen Südwestkuppelleitung wurde im zweiten Abschnitt zwischen Erfurt und Altenfeld genehmigt und begonnen und auch die Netzanbindung des Offshore-Windparks Baltic 2 in der Ostsee befindet sich in der Bauphase.

Ein weiteres deutliches Zeichen für die positive Entwicklung bei der Umsetzung der Energiewende sei die Tatsache, dass bei relativ konstantem Stromverbrauch in der Regelzone von 50Hertz in den vergangenen drei Jahren von rund 98 Terawattstunden der Anteil der erneuerbaren Energien in 2012 auf 35 Prozent des Stromverbrauchs angestiegen sei (ca. 35 Terawattstunden): „Damit ist auf dem Gebiet der neuen Bundesländer sowie der Stadtstaaten Hamburg und Berlin das klimapolitische Ziel der Bundesrepublik für das Jahr 2020, den Anteil der Regenerativen am Stromverbrauch auf 35 Prozent zu erhöhen, bereits 2012 erreicht worden“, betont Schucht. Fortschritte bei der Umsetzung der Energiewende im Jahr 2012 sieht Schucht auch in der bundesweiten Netzentwicklungsplanung sowie in weiteren gesetzlichen Maßnahmen zur Systemsicherheit (Systemstabilitäts- und Abschaltverordnung) und zur Verbesserung des Offshore-Investitionsrahmens.

Ambitioniertes Investitionsprogramm geplant

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung bei der Integration der erneuerbaren Energien ist das Tempo beim Netzausbau allerdings immer noch zu langsam im Vergleich zur hohen Geschwindigkeit des Ausbaus der erneuerbaren Energien. Auch 2012 musste 50Hertz wieder sehr häufig aus Gründen der Systemstabilität ins Netz und damit in den Markt eingreifen. An insgesamt 77 Tagen (gegenüber 45 Tagen in 2011) mussten erneuerbare Anlagenbetreiber angewiesen werden, ihre Produktion temporär zu drosseln, um Netzüberlastungen zu vermeiden. Dieses Instrument wird immer als allerletztes Werkzeug zur Systemstabilisierung angewendet, nachdem zuvor bereits schalttechnische Eingriffe durchgeführt und konventionelle Anlagen reduziert worden sind.

Angesichts der hohen Netzauslastung und stetig wachsenden erneuerbaren Energien muss das Netz von 50Hertz weiter entwickelt werden. Für die kommende Dekade bis 2022 plant das Unternehmen Investitionen in Höhe von rund vier Milliarden Euro, speziell zur weiteren Integration der Erneuerbaren Energien, zum Erhalt eines hohen Niveaus der Versorgungssicherheit und zur Entwicklung des europäischen Strombinnenmarktes.

Mehr zeitliche Synchronisierung zwischen EEG- und Infrastrukturausbau

Diese Investitionen in den Umbau des Energieversorgungssystems bedürfen eines politischen Rahmens, der für Planungs- und Investitionssicherheit sorgt. Mit der Verabschiedung des Bundesbedarfsplangesetzes in diesem Jahr werde nach Auffassung von Boris Schucht ein wichtiger Meilenstein für den Netzaus und -umbau in Deutschland gesetzt. Gleichzeitig sei aber auch eine grundlegende Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes nötig, das den aktuellen Entwicklungen bei den erneuerbaren Energien gerecht werde. „Natürlich brauchen wir zur Umsetzung der Energiewende den stetigen Ausbau der erneuerbaren Energien. Dieser sollte jedoch zeitlich stärker mit dem Ausbau der erforderlichen Infrastruktur synchronisiert werden. Die größte Gefahr für die Energiewende ist eine schwindende Akzeptanz in der Bevölkerung. Diese grundlegende Akzeptanz ist nur aufrechtzuerhalten, wenn wir nach wie vor ein Höchstmaß an Versorgungssicherheit zu bezahlbaren Energiepreisen zur Verfügung stellen können. Und genau hieran muss sich auch die künftige Weiterentwicklung des EEG orientieren“, so Boris Schucht.

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